Mit dem Tochterunternehmen Solarinitiative GmbH stattet die Volksbank Lahr die Dächer von Vereinen in der Region kostenlos mit Solarflächen aus. Sie tragen so sehr großflächig zur Gewinnung erneuerbarer Energien bei und bescheren den Vereinen über eine Dachpacht zusätzlich wertvolle Erträge. Ein Gewinn für alle. Zugleich: Echte Pionierarbeit. Die Resonanz ist gewaltig. Bei den Vereinen, bei den Mitgliedern und sogar bundesweit: So wurde die Initiative in diesem Jahr sogar mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 im Transformationsfeld Klima ausgezeichnet. Ganz klar: Ein Modell das durchaus Schule machen kann – und Schule machen sollte.

Die beiden Monteure heben das Solarmodul so weit an, bis die beiden Kollegen auf dem Dach es packen können. Sie ziehen die Platte hoch, Zentimeter für Zentimeter. Erst als sie das Gewicht vollständig übernommen haben, lassen die Arbeiter unten los. Oben angekommen befestigen die Handwerker das Modul auf den bereits vormontierten Aluminiumschienen. Mit geübten Griffen drehen sie es in Position und lassen es schließlich in die Halterungen gleiten. Ein Akkuschrauber surrt auf, die Arbeiter ziehen die Schrauben fest, verbinden die Kabel. Wenige Minuten später ist das nächste Modul an der Reihe. Und unten greifen die Monteure bereits wieder nach einer weiteren Platte.
An diesem Vormittag wiederholt sich dieser Ablauf immer wieder. Modul für Modul wächst auf dem Dach des Vereinsheims des TC Blau-Weiß Oberweier eine Photovoltaikanlage heran. Für die Handwerker ist es Routine, für den Tennisverein bedeutet jeder Handgriff jedoch ein Stück Zukunft. Denn die Solarmodule sollen künftig nicht nur klimafreundlichen Strom erzeugen, sondern dem Verein auch zusätzliche Einnahmen verschaffen.
Die Baustelle hier ganz im Westen Baden-Württembergs ist auf den ersten Blick ganz gewöhnlich. Bei näherem Hinschauen sieht man sie in einem anderen Licht: Hinter jedem der rund 70 Module, die jährlich zwischen 29.000 und 33.350 kWh Strom erzeugen können, steckt eine Idee, die weit über dieses Dach hinausreicht. Denn die Anlage, die umgerechnet acht bis zehn Einfamilienhäuser mit Energie versorgen kann, hat die Solarinitiative GmbH, ein Tochterunternehmen der Volksbank Lahr, umgesetzt.
Gesucht: Dachflächen
Ein paar Meter entfernt verfolgen Frank Siefert und Steffen Tisch das Geschehen. Immer wieder wandert der Blick des Vereinsvorsitzenden des TC Blau-Weiß Oberweier und des Geschäftsführers der Solarinitiative nach oben. Für sie ist die Arbeit an dem sonnigen Vormittag das sichtbare Ergebnis einer Idee, die Mitte 2024 mit einem einfachen Aufruf begann. Die Genossenschaftsbank suchte nach Vereinen und gemeinnützigen Einrichtungen, die geeignete Dachflächen zur Verfügung stellen wollten. Das Prinzip ist bewusst einfach gehalten: Der Partner E-Werk Mittelbaden, der Energieversorger aus der Region, prüft zunächst die technische Eignung. Sind Statik, Ausrichtung und Netzanschluss geeignet, übernehmen regionale Handwerksbetriebe die Installation. Für die Vereine entstehen dabei weder Kosten für die Prüfung noch für die Anlage selbst. Im Gegenzug erhalten sie eine Dachpacht. Der erzeugte Strom wird in der Regel in das öffentliche Netz eingespeist. Finanziert wird die Initiative durch das Anlageprodukt „Volksbank Lahr SolarPower I“, das nur Mitgliedern der Bank angeboten wurde. „Dass die komplette Summe von 1,25 Millionen Euro nach anderthalb Tagen gezeichnet war, damit hatten wir nicht gerechnet“, erinnert sich Steffen Tisch. Rund 300 Mitglieder beteiligten sich an der Finanzierung, mit der mittlerweile elf Anlagen gebaut werden konnten. Für Tisch zeigt das vor allem eines: „Die Menschen wollen sich engagieren. Sie möchten sehen, dass ihr Geld vor Ort etwas bewirkt. Genau das macht unsere Genossenschaftsidee aus.“
„Hier muss ständig irgendwo etwas gemacht werden“
Frank Siefert sieht das genauso. Seit April 2026 steht er an der Spitze des TC Blau-Weiß Oberweier, kennt den Verein aber schon seit vier Jahrzehnten. „Ich bin praktisch hier groß geworden“, sagt er. „Natürlich freut man sich, wenn so etwas auf dem eigenen Vereinsgelände passiert.“ Mit rund 140 Mitgliedern gehört der Tennisclub zu den kleineren Vereinen der Region, spielt aber sportlich weit oben mit. Die erste Mannschaft tritt in der Regionalliga an, der dritthöchsten deutschen Spielklasse. An Heimspieltagen kommen mehrere hundert Zuschauer auf die Anlage. Umso wichtiger ist es, dass das Vereinsheim in Schuss bleibt. „Hier muss ständig irgendwo etwas gemacht werden“, sagt Siefert. „Da geht ein Boiler kaputt, dann haben wir plötzlich einen Wasserrohrbruch, die Spülmaschine funktioniert nicht mehr, irgendwo muss etwas gestrichen werden. Das sind keine spektakulären Projekte, aber genau diese Dinge kosten Geld.“
In den vergangenen Jahren sei vieles immer wieder provisorisch repariert worden. „Man macht hier etwas, dort etwas. Das kennt wahrscheinlich jeder Verein. Jetzt können wir manches endlich vernünftig angehen.“ Er schaut noch einmal zum Dach. „Natürlich finanziert so eine Dachpacht keine komplette Sanierung. Aber sie verschafft uns Luft. Wir können Investitionen planen, statt immer nur auf den nächsten Defekt zu reagieren.“ Ein weiterer Pluspunkt für Siefert: „Als Verein profitieren wir, ohne selbst das finanzielle Risiko tragen zu müssen“, sagt. Die Anlage bleibt im Besitz der Volksbank und ist vollständig über diese versichert. „Das ist für uns wirklich ein Glücksfall.“ Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke. „Warum sollte man eine Dachfläche ungenutzt lassen?“, fragt er. „Wenn sie Strom erzeugen kann und gleichzeitig dem Verein hilft, dann ergibt das einfach Sinn.“
Dächer, Menschen, Investitionen
Für die Solarinitiative der Volksbank Lahr passt das ebenfalls gut zusammen. „Viele Vereine leisten großartige Arbeit, aber sie haben schlicht nicht die finanziellen Möglichkeiten für solche Projekte. Also haben wir überlegt: Wie können wir ihnen diese Hürde abnehmen?“, sagt Steffen Tisch. Während auf dem Dach die nächsten Module verschraubt werden, beschreibt er die Grundidee. „Eigentlich ist das Konzept erstaunlich einfach“, sagt er. „Es gibt Dächer. Es gibt Menschen, die ihr Geld sinnvoll in der Region investieren möchten. Es gibt Vereine, die Unterstützung brauchen. Und es gibt die Technik, um auf diesen Dächern klimafreundlichen Strom zu erzeugen. Wir bringen diese Dinge zusammen und erzeugen eine Win-Win-Win-Situation.“ Dabei geht es der Volksbank bewusst um mehr als die Solaranlagen. „Als Genossenschaftsbank sprechen wir oft davon, dass unsere Mitglieder Teil der Bank sind. Mit der Solarinitiative können wir das ganz konkret zeigen“, erzählt er. „Die Mitglieder sehen, wohin ihr Geld fließt und was es bewirkt. Das ist etwas völlig anderes als irgendeine abstrakte Geldanlage.“
Interesse bei rund 40 Vereinen
Trotz aller Einfachheit gehört zu dem Projekt eine Menge Arbeit. „Rund 40 Vereine sind auf uns zukommen, wir mussten die Bewerbungsphase sogar früher schließen, weil das Interesse so groß war“, sagt Tisch. Aber: Nicht jedes Dach eignete sich für eine Photovoltaikanlage. Manche Gebäude hätten zunächst saniert werden müssen, andere Standorte seien wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen. Einige Eigentümer hätten sich später gegen eine Umsetzung entschieden. „Das gehört dazu“, sagt Tisch. „Wir haben unglaublich viel gelernt.“ Dass das Konzept so gut funktioniert, liege aber nicht nur an der Idee selbst, sondern an den vielen Partnern. „Im Grunde bringen wir das zusammen, was ohnehin schon da ist, Dachflächen, Kapital, Know-how“, sagt Tisch. „Was häufig fehlt, ist jemand, der alles organisiert.“
In Zukunft wird das noch einfacher sein. „Wir haben am Anfang alles selbst gemacht“, erinnert sich Steffen Tisch. „Jede E-Mail, jede Abstimmung, jede Rückfrage der Vereine. Es gab keine Software, keine Prozesse, nichts. Wir wollten einfach ausprobieren, ob das Modell überhaupt funktioniert.“ Mittlerweile hat die Solarinitiative GmbH eine komplette digitale Plattform aufgebaut, die auch andere Banken nutzen können. Bereits heute arbeiten zwei weitere Volksbanken mit der Technik, die Tisch noch als Pilotprojekt versteht. „Wir sammeln Erfahrungen und machen es für die Nächsten einfacher.“
Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2026
Nicht ohne Stolz blickt Tisch auf eine weitere Entwicklung. Für die Idee erhielt die Solarinitiative den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 im Transformationsfeld Klima. Ausgezeichnet wurde dabei nicht allein die Finanzierung einzelner Anlagen, sondern vor allem die Übertragbarkeit des Konzepts. „Das war für uns eine schöne Bestätigung“, sagt Tisch. „Natürlich freut man sich über einen Preis. Viel wichtiger war aber das Signal: Andere sehen ebenfalls, dass sich dieses Modell vervielfältigen lässt.“
Die Solarinitiative soll sich jedoch nicht auf den Bau weiterer Anlagen beschränken. Schon heute arbeitet das Team an der nächsten Entwicklungsstufe. Ein wichtiges Stichwort lautet „bilanzielle Durchleitung“. Was technisch kompliziert klingt, könnte den Nutzen der Anlagen noch einmal deutlich erhöhen. Künftig soll regional erzeugter Solarstrom bilanziell direkt dem Stromverbrauch der Volksbank zugerechnet werden können – vorausgesetzt, die Anlage liegt höchstens dreieinhalb Kilometer von einer Filiale entfernt, erfüllt die technischen Voraussetzungen und ist fernsteuerbar. Damit würde die erzeugte Energie unmittelbar in die Klimabilanz der Bank einfließen. Auch Batteriespeicher spielen in den Überlegungen inzwischen eine wichtige Rolle.
„Wir prüfen gerade, ob wir künftig überschüssiges Kapital in Speicher investieren“, erklärt Tisch. „Damit könnten wir das Stromnetz entlasten und gleichzeitig die Wirtschaftlichkeit der Anlagen weiter verbessern.“ Er sieht darin den nächsten logischen Schritt. „Wir wollten nie einfach nur Photovoltaikanlagen bauen. Uns geht es darum, regionale Energielösungen zu entwickeln – und die entwickeln sich ständig weiter.“
