Auf einem von ihr initiierten eigenen Walderlebnispfad lässt die VR-Bank Landau-Mengkofen seit bereits knapp 15 Jahren die Schülerinnen und Schüler ihrer Region den Wald erfahren. Sie sensibilisiert damit die Kinder und Jugendlichen für die Besonderheiten der Natur in ihrer Region und lässt sie hier Dinge erkunden und entdecken, die sie sonst nur aus Büchern oder dem Fernsehen kennen. Das macht Spaß, stärkt Achtsamkeit, Respekt und schafft jede Menge Aha-Effekte. Zugleich sorgt es für vielfach tiefere Einblicke als Frontalunterricht im Klassenzimmer. Ein großer Gewinn für die Region und für die nachwachsenden Generationen.

Es dauert keine zwei Minuten, bis eines der Kinder die erste Entdeckung macht. „Da vorne ist ein Fuchs!“, ruft ein Mädchen. Gleich mehrere Schülerinnen und Schüler zeigen zwischen die Bäume, drei Meter neben dem gut befestigten Weg, den die Klasse 1/2c der Grundschule Moosthenning eben noch in einer lockeren Reihe entlanggelaufen ist. Jetzt löst sich die Gruppe schlagartig auf. Einige Kinder rennen los, andere bleiben stehen und versuchen, zwischen Farnen und jungen Buchen etwas zu erkennen. Wenige Meter weiter folgt schon der nächste Ruf. „Da ist auch ein Wildschwein!“ Genauer gesagt: ein Frischling.
Bei genauerem Hinschauen erkennen die Kinder, dass sie zwei Tierpräparate gesehen haben, die allerdings so wirken, als wären sie gerade erst aus dem Unterholz getreten. Die Kinder nähern sich vorsichtig, gehen in die Hocke, betrachten Fell, Borsten und Schnauzen aus nächster Nähe. Manche würden die Tiere am liebsten sofort anfassen, andere bleiben lieber erst einmal auf Abstand und beobachten. Innerhalb weniger Sekunden ist aus einem gewöhnlichen Waldweg ein Klassenzimmer geworden, allerdings eines ohne Wände, Tafel, Tische und Stühlen.
„Der hat ganz weiche Ohren“
Katharina Limbrunner kennt diesen Moment gut. Seit 2012 führt die zertifizierte Waldpädagogin Schulklassen über den Walderlebnispfad der VR-Bank Landau-Mengkofen. „Schaut euch den Fuchs einmal ganz genau an“, sagt sie und kniet sich neben das Tier. „Was fällt euch auf?“. Ein Mädchen zeigt auf, sagt: „Der ist viel kleiner, als ich gedacht habe“. Ein Junge fühlt ganz vorsichtig am Kopf des Tieres, „Der hat ganz weiche Ohren“. Katharina Limbrunner, die die Gruppe freundlich und energisch zugleich im Griff hat, ergänzt nur dort, wo es nötig ist. Sie erzählt, warum Füchse meistens nachts unterwegs sind, weshalb Frischlinge gestreifte Borsten tragen und warum Wildschweine deutlich bessere Nasen haben als Augen. Es sind keine langen Erklärungen. Viel lieber lässt sie die Kinder selbst entdecken.
Genau darin liegt ihre Idee von Waldpädagogik. „Viele Kinder kommen heute gar nicht mehr regelmäßig in den Wald“, sagt sie später. „Wenn ich am Anfang frage, wer schon einmal im Wald war, gehen manchmal nur bei der Hälfte überhaupt die Finger hoch. Das finde ich schade.“ Umso wichtiger sei es, den Wald nicht nur zu erklären, sondern ihn erleben zu lassen. „Die Kinder erfahren hier den Wald auf eine ganz andere Art und Weise. Hier können sie Dinge entdecken, die sie sonst nur aus Büchern oder aus dem Fernsehen kennen“, sagt die Pädagogin. „Und wenn sie den Wald selbst erleben, entwickeln sie auch viel mehr Achtsamkeit und Respekt für die Natur.“
42 Hektar, 2.000 Schülerinnen und Schüler pro Jahr
Diese Philosophie begleitet den Walderlebnispfad seit seiner Entstehung. Auf dem rund 42 Hektar großen Waldgelände der VR-Bank Landau-Mengkofen lernen jedes Jahr mehr als 2.000 Schülerinnen und Schüler den Wald als Lebensraum kennen. Die Führungen verbinden Naturwissen mit Bewegung, kleinen Spielen und vielen praktischen Erfahrungen. Auch Klassenlehrerin Christine Kiermeier erlebt immer wieder, wie gut dieses Konzept funktioniert. „Wir lernen in der Schule natürlich sehr viel über Pflanzen und Tiere“, sagt sie. „Aber dort nutzen wir Bilder oder Fotos. Hier können die Kinder das alles unmittelbar erleben. Sie können anwenden, was sie aus dem Unterricht wissen, und bekommen gleichzeitig einen ganz anderen Bezug zur Natur.“
Dann setzt sich die Gruppe wieder in Bewegung. Der schmale Weg führt tiefer in den Wald hinein. Sonnenlicht fällt durch die Baumkronen auf den Waldboden, irgendwo klopft ein Specht, ansonsten ist es erstaunlich ruhig. Immer wieder bleibt eines der Kinder stehen, hebt einen besonders geformten Ast auf oder zeigt auf einen Käfer, der über den Weg krabbelt. Die nächste Station wirkt zunächst wenig spektakulär. Eine flache Mulde, gefüllt mit Wasser und dunklem Schlamm. „Was könnte das sein?“, fragt Katharina Limbrunner. „Ein Teich?“, ruft ein Mädchen. „Das könnte sein“, sagt die Waldpädagogin, „es ist aber die Badewanne der Wildschweine.“ Sie erklärt, warum Wildschweine sich im Schlamm suhlen. Dass dieser im Sommer angenehm kühlt, vor lästigen Insekten schützt und auch dabei hilft, Parasiten aus dem Fell zu entfernen. Während sie spricht, beugen sich die Kinder über den Rand der Suhle und entdecken erste Spuren im Boden.
Den Wald verstehen
Wieder geht es nicht darum, möglichst viele Fakten zu vermitteln. Vielmehr sollen die Kinder verstehen, welche Bedeutung der Ort für die Tiere hat. Schon wenige Minuten später geht es weiter auf dem Weg. Plötzlich bleibt Katharina Limbrunner erneut stehen. „Jetzt zeige ich euch einmal die fleißigsten Arbeiter im Wald.“ Zunächst ist nichts Besonderes zu erkennen. Erst als die Kinder genauer hinschauen, entdecken sie eine schmale Ameisenstraße, die sich zwischen Nadeln und kleinen Ästen über den Waldboden zieht. Sie endet an einem mächtigen Ameisenhaufen, der beinahe einen Meter hoch ist. Innerhalb weniger Sekunden hockt die halbe Klasse, ganz vorsichtig, die Insekten können beißen. Die Kinder verfolgen mit den Augen einzelne Tiere, verlieren sie wieder aus dem Blick und suchen sie erneut.
Wenig später öffnet sich zwischen den Bäumen eine Weggabelung. In der Mitte liegt eine Sandgrube mit Markierungen und Tafeln, auf denen verschiedene Waldtiere und ihre Sprungweiten abgebildet sind. Kaum haben die Kinder die Station entdeckt, laufen die Ersten schon los. Sie probieren aus, wie weit sie springen können: Wie eine Maus, wie ein Fuchs, wie ein Hase? Martin Able lächelt, als er der Gruppe zuschaut. Der Geschäftsführer der VR-Immobilien GmbH der VR-Bank Landau-Mengkofen kennt den Wald seit Jahrzehnten. Er gehört zu den Initiatoren des Walderlebnispfads und hat dessen Entwicklung für die Bank von Beginn an begleitet. Heute ist er gekommen, um zu sehen, wie der Lernort genutzt wird.
Vom Wirtschaftswald zum Lern- und Erlebnisraum
Schnell kommt er ins Erzählen, von der gemeinsamen Geschichte des Waldes und der Bank, die viele Jahre zurückreicht. Bereits 1938 kaufte die damalige Gewerbe- und Landwirtschaftsbank Landau den Wald, der über viele Jahrzehnte vor allem forstwirtschaftlich genutzt wurde. In den 1970er-Jahren entstanden eine Rasthütte und ein Parkplatz für Wanderer und Spaziergänger, später kamen weitere Flächen hinzu. Mit dem ökologischen Umbau des Waldes und der Idee eines Walderlebnispfads, die 2012 gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Montessori-Schule Landau entstand, veränderte sich die Rolle des Waldes grundlegend. Aus einem Wirtschaftswald wurde Schritt für Schritt ein Lern- und Erlebnisraum. „Als Eigentümer dieses großen Waldareals wollten wir einfach einen Mehrfachnutzen schaffen“, sagt Martin Able. „Wir haben den Wald seit vielen Jahren ökologisch umgebaut und machen ihn mit dem Walderlebnispfad auch für Familien und Kinder erlebbar.“
Die Kinder sind langsam müde, der Tag war aufregend. Langsam macht sich die Klasse wieder auf den Rückweg. Der schmale Waldweg führt zwischen hohen Buchen zurück zum Ausgangspunkt. Am Waldrand bleibt ein Junge noch einmal kurz stehen und schaut zwischen die Bäume zurück, während die anderen schon weitergehen. Der Fuchs und der Frischling stehen noch immer an derselben Stelle wie zu Beginn des Vormittags. Nur diesmal gehen die Kinder nicht mehr aufgeregt auf sie zu. Sie werfen ihnen im Vorbeigehen noch einen letzten Blick zu – und unterhalten sich schon über die Entdeckungen, die sie beim nächsten Waldbesuch machen möchten.
