Geldfragen sind Weltfragen

Hochwertige Bildung
Weniger Ungleichheiten
Hochwertige Bildung
Weniger Ungleichheiten

Mit ihrem Finanzführerschein an Schulen schließt die Volksbank Niedersachsen-Mitte eine wichtige Bildungslücke. Sie baut eine Brücke zwischen den alltäglichen Geldangelegenheiten und den zugrunde liegenden Abläufen. Damit sensibilisiert sie die Jugendlichen in ihrer Region für einen verantwortungsvollen, reflektierten und vorsichtigen Umgang mit Geld. Zugleich liefert sie wichtiges Hintergrundwissen zu Dingen und Abläufen, die für viele Schülerinnen und Schüler längst alltäglich geworden sind. Sie leistet damit Aufklärungsarbeit, die von den Klassen dankend und begeistert angenommen wird – jede Menge Aha-Effekte inklusive.

Geldfragen sind Weltfragen

Stefanie Müller steht vorne am Whiteboard, den Stift locker in der Hand. „Welche Social-Media-Kanäle nutzt ihr eigentlich?“, fragt sie und schaut die Schülerinnen und Schüler an. Ein paar Sekunden lang passiert nichts, dann kommen die Antworten durcheinander: „TikTok.“ „Instagram.“ „Snapchat.“ Sie nickt, hakt nach, wer wie oft dort unterwegs ist. „Und wer von euch hat darüber schon mal etwas gekauft – oder war kurz davor?“ Jetzt gehen die Hände schneller hoch. „Und wie habt ihr bezahlt? Direkt? Oder später?“ „Später“, sagt ein Schüler aus der zweiten Reihe. „Direkt“, ruft ein anderer. Ein paar nicken, ungefähr die Hälfte der Klasse kennt die Kaufwege. Stefanie Müller lässt das erst einmal so stehen. Sie kommentiert nichts, sie sammelt. Und genau darin liegt schon der Kern dieses Vormittags: Es geht nicht darum, den Jugendlichen etwas auszureden, sondern sichtbar zu machen, wie selbstverständlich bestimmte Dinge geworden sind und was dahintersteckt.

Wissenslücken schließen

Im hellen Klassenraum der LUKAS Schule im niedersächsischen Bassum, an der rund 400 Schülerinnen und Schüler lernen, heftet Michael Hamel nun laminierte Karten an eine Tafel: „Klarna“, „VISA“, „SEPA-Einzugsermächtigung“. Der Lehrer für Deutsch, Geschichte und Politik-Wirtschaft unterstützt Stefanie Müller beim Workshop. Er kennt seine Klasse, beobachtet genau, wann sie aufmerksam ist und wann nicht. Stefanie Müller zeigt auf die Karten, fragt nach, lässt die Klasse reagieren. Die meisten kennen die Begriffe, viele nutzen sie, aber wie sie funktionieren, weiß niemand so genau. Genau hier setzt der Finanzführerschein an. Der Workshop, den die Volksbank Niedersachsen-Mitte an Schulen in der Region anbietet, schließt genau diese Lücke. Es geht um grundlegende finanzielle Bildung, um Themen, die für viele Jugendliche noch ein bisschen nach Zukunft klingen, die aber längst Teil ihres Alltags sind. „Gerade beim Onlineshopping ist der Reiz natürlich groß, einfach später zu bezahlen“, sagt Stefanie Müller, „aber genau da kann man schnell den Überblick verlieren.“ Sie spricht ruhig, sachlich, ohne großen Druck, eher erklärend als warnend. Die Bankkauffrau und -betriebswirtin weiß, wovon sie spricht. Jahrelang hat sie in der Kundenberatung gearbeitet, hat gesehen, wie sich kleine Entscheidungen summieren können, wie aus scheinbar harmlosen Verträgen irgendwann etwas wird, das schwerer zu überblicken ist. Heute ist sie Trainerin, bildet Auszubildende aus und steht regelmäßig in Klassenzimmern wie diesem.

Der Finanzführerschein dauert 90 Minuten, eine Doppelstunde, die prall gefüllt ist, aber nicht überfrachtet. Es wird gefragt, diskutiert, gerechnet. Es gibt Beispiele, kleine Übungen, Gruppenarbeit – und immer wieder die Rückbindung an den Alltag. Michael Hamel verfolgt den Ablauf aufmerksam. Der Lehrer greift punktuell ein und hilft beim Workshop. „Wir behandeln solche Themen natürlich auch im Unterricht“, sagt er später, „aber es hilft enorm, wenn jemand von außen kommt.“ Es sei ein anderer Zugang, eine andere Perspektive – und auch ein anderer Effekt: „Das hat für die Schülerinnen und Schüler oft noch mal einen anderen Stellenwert.“ Inhalte setzen sich manchmal besser, wenn sie in einem anderen Kontext auftauchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verständnis wecken

Michael Hamel sieht darin einen großen Gewinn. Zumal vieles, was Jugendliche tun, technisch inzwischen ganz selbstverständlich geworden ist – und dennoch fehlt oft das Verständnis für die Folgen. Dass jemand Onlinebanking nutzen, kontaktlos zahlen oder per App einen Überblick über sein Konto haben kann, sagt noch wenig darüber aus, ob dieselbe Person auch einschätzen kann, welche Art von Vertrag sinnvoll ist, wie teuer ein Ratenkauf wird oder warum mehrere kleine Verpflichtungen zusammen problematisch werden können.

Der Workshop ist inzwischen bei der ersten Gruppenübung angekommen. Die Schülerinnen und Schüler schauen sich laminierte Zettel mit fiktiven Personenprofilen an. Es geht um Handyverträge, Ratenkäufe, Immobilienbesitz. Pro Kleingruppe geben die Jugendlichen die entsprechenden Werte in einen SCHUFA-Simulator ein, der den SCHUFA-Score berechnet – dieser schätzt die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern ein. Sie diskutieren, schauen auf die Ergebnisse, ein Rating erscheint. Zahlen, die plötzlich etwas bedeuten. „Echt jetzt?“, sagt jemand leise, „so schlecht ist das, wenn man zu viele Kredite hat?“ Dass mehrere kleine Verträge zusammen eine schlechte Bonität ergeben können, ist für viele neu.

„Ich habe jetzt viel mehr Ahnung von Finanzthemen“

Stefanie Müller geht durch die Reihen, beantwortet Fragen, erklärt, ordnet ein. Auch Michael Hamel bleibt nah dran, spricht mit einzelnen Schülerinnen und Schülern, hört zu. Es ist dieses Zusammenspiel, das den Workshop trägt. Nele sitzt in einer der Gruppen, sie ist in der 10. Klasse, macht bald ihren Abschluss und hat ihren weiteren Weg schon im Blick: erst Sozialassistentin, dann Erzieherin, vielleicht später Studium zum Grundschullehramt. Sie wirkt ruhig, überlegt, und das bestätigt sich auch, als sie später über den Workshop spricht. „Ich fand’s interessant“, sagt sie. „Ich wusste vorher gar nicht so genau, wie das mit der SCHUFA und mit Krediten funktioniert.“ In ihrem Umfeld sei das Thema noch nicht so präsent, Verschuldung im Freundeskreis kenne sie so nicht. Nele beschreibt auch ihren eigenen Umgang mit Geld als eher vorsichtig. Sie gibt nicht viel aus, hat auch von ihren Eltern einiges an Wissen mitbekommen und trotzdem sagt sie am Ende: „Ich habe jetzt viel mehr Ahnung von Finanzthemen.“

Auch Stefanie Müller ordnet ein: Die Jugendlichen sind technisch oft sehr fit – Onlinebanking, Apps, Bezahlen per Smartphone –, aber die Risiken haben sich verschoben. „Man kann heute so schnell klicken und dann ist das einfach ein Ratenkauf, der einen lange begleitet. Der Druck von außen ist groß“, sagt sie. Die sozialen Medien zeigen oft, welche Statussymbole wichtig sind. Das Gefühl, mithalten zu müssen, kennen viele Jugendliche. Gleichzeitig kann die Welt der Finanzen sehr verwirrend sein. Der Workshop behandelt deswegen viele Themen: Überweisungen, kontaktloses Bezahlen, girocard, Kreditkarte, Auszüge, Lastschrift. Wie viele Girokonten darf man eigentlich haben? Was ist Skimming? Was braucht man für eine Kontoeröffnung? Spätestens hier merkt man: Der Finanzführerschein ist ein Kurs, der Stabilität und die Fähigkeit vermitteln will, im finanziellen Leben nicht unnötig ins Rutschen zu kommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wertvolles Wissen

Mit dem Finanzführerschein startet die Volksbank Niedersachsen-Mitte ihr finanzielles Bildungsangebot. Sie bietet aber auch Workshops für Berufseinsteiger an, in denen Themen wie das erste Gehalt, Sparen, Fördermöglichkeiten und finanzielle Planung behandelt werden. „Der Bedarf ist groß“, erklärt Stefanie Müller, die pro Jahr mehr als ein Dutzend dieser Präventions-Workshops gibt. Im Anschluss legen die Schülerinnen und Schüler die Finanzführerschein-Prüfung ab, die der theoretischen Führerscheinprüfung nachempfunden ist. Hierbei gilt es, eine ganze Reihe von Fragen zu beantworten, unter anderem folgende: Wie teuer ist ein Mobilfunkvertrag wirklich? Wann kann ich kündigen? Was passiert, wenn ich mein Alter falsch angebe? Welche Risiken gibt es beim Onlinekauf? Wie viele Girokonten darf ich haben? Was muss ich tun, wenn mein Smartphone gestohlen wird? Auch hier sind die Schülerinnen und Schüler motiviert. Einige Wochen später erhalten sie dann von der Volksbank Niedersachsen-Mitte ein schriftliches Zertifikat, das ihnen eine finanzielle Grundbildung bescheinigt. Das Wissen, das sie im Workshop gelernt haben, haben sie schon jetzt immer dabei.