Lichtblicke!

Inmitten der Corona-Pandemie mussten viele Vereine um ihre Existenz bangen. Die VR Bank Südpfalz eG erkannte dies schnell und startete eine große Spendenaktion. Sie unterstüt­zte 213 Projekte, aktivierte über 21.000 Menschen und Firmen und sammelte per Crowdfunding über 1 Million Euro für die Vereine ein. 290.000 Euro davon spendete die Bank selbst. Sie zeigte damit auch ihre enorme Wertschätzung für die Region – und brachte das Strahlen zurück in die Gesichter der Aktiven und das Licht zurück auf die Bühne.

Lichtblicke!

Als die ersten Töne von Erroll Garners „Misty“ durch den großen Saal des Hauses am Westbahnhof im pfälzischen Landau klingen, ist der Raum erfüllt: mit einer warmen Stimmung, mit ­Freude an der Musik, mit dem Wohlgefühl, das nur Kultur hervorrufen kann, die während der langen ersten Corona-Phase so schmerzlich vermisst wurde. Die Klänge erzeugt Peter Damm auf seinem Sopran­saxophon – und so richtig in Szene gesetzt wird der erste Vorsitzende des Vereins Leben und Kultur durch das wechselnde, stimmungsvolle Licht, das Alizee Schorr an einem kleinen Mischpult für den Musiker einstellt. Die 18-Jährige, die hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolviert, probiert die neue Lichtanlage aus, die das Kulturhaus im Juli 2021 in Betrieb genommen hat.

Die beiden sind sich einig, dass dem Licht eine ganz besondere Rolle zukommt. „Wir können damit Stimmungen erzeugen und verstärken“, sagt Alizee Schorr. „Wenn wir zum Beispiel ein trauriges oder ein lustiges Theaterstück spielen, können wir durch unsere Beleuchtung dem Ganzen einen Rahmen geben.“ Die junge Frau versucht, durch das Freiwillige Soziale Jahr ihren eigenen beruflichen Weg zu finden – und hier, in dem von 1985 bis 1987 vom Verein Leben und Kultur in Eigenleistung gebauten Kulturzentrum kann sie die ersten Schritte machen. „Ich lerne hier enorm viel im Bereich Licht- und Tontechnik, aber auch im Bereich Film“, sagt Alizee Schorr, die in dem Jahr auch vom Offenen Kanal Landau unterstützt und eingesetzt wird. „Und ich kann den Ehrenamtlichen, die hier arbeiten, gleichzeitig etwas davon vermitteln, was ich gelernt habe – das macht mir unheimlich viel Spaß.“

Mitmacher und Mitgestalter

Das, was Alizee Schorr beschreibt, ist für Peter Damm eine Art Grundprinzip des Hauses am Westbahnhof. Als es vor mehr als 30 Jahren die ersten Konzerte und Lesungen veranstaltete, stand es in Landau für eine Form der alternativen Kultur. Heute ist es angekommen in der Kulturlandschaft der Stadt, was auch an dem Zuschauerzuspruch bei den Musik- und Theater-, Literatur- und politischen Veranstaltungen zu sehen ist. Viele von ihnen sind ausverkauft, das Programm wird gut angenommen. Gleichzeitig hat es den Anspruch, ein Haus für Mitmacher und Mitgestalter zu sein, sagt Peter Damm, der als Lehrer an einer berufsbildenden Schule arbeitet, sich seit Beginn im Haus am Westbahnhof engagiert und neben seinem Beruf und seinem Engagement auch in einem Saxofon-Quartett musiziert.

„Wir haben so viele Ehrenamtliche hier, die uns unterstützen“, ergänzt auch Yvonne Peter-Köllmer, die mit einer halben Stelle die einzige Angestellte im Haus ist und sich auch um die Vermietung der Räume kümmert. „Die Ehrenamtlichen betreuen die Künstler, verkaufen Getränke, stehen an der Kasse, übernehmen einfach ganz viele Aufgaben“, sagt die Bürokraft, die – wie es in einem selbst verwalteten soziokulturellen Zentrum üblich ist – ebenfalls sehr viele Tätigkeiten ausübt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Corona-Hilfe per Crowdfunding

Die besondere Situation sorgt für viel Freiheit, hat aber auch eine Kehrseite: die Finanzierung. „Für Kultur ist eine Unterstützung unerlässlich. Die öffentlichen Fördermittel und -programme von Bund, Land und den Kommunen müssen aber durch private Mittel ergänzt werden“, sagt Peter Damm, dem das im Jahr 2021 noch einmal besonders bewusst wurde. Während der Hochphase der Corona-Pandemie fiel die Lichtanlage aus, die schon einige Betriebsstunden auf der Uhr hatte. „Wir mussten uns umorientieren und haben deswegen ein Crowdfunding bei der VR Bank Südpfalz aufgelegt“, erzählt Damm, „und wegen Corona hatten wir sowieso kaum noch Einnahmen. Insgesamt sollte eine neue Anlage inklusive Steuerung rund 35.000 Euro kosten, was für ein Haus wie unseres kaum zu stemmen ist.“ Die Aktiven drehten einen Bewerbungsfilm, mobilisierten alle möglichen Kontakte und erreichten schließlich mit einer Crowdfunding-Aktion das Ziel: Rund 360 Einzelspender und Firmen sowie die Zulagen der Bank ergaben einen Grundstock von etwa 20.000 Euro, der Oberbürgermeister der Stadt Landau und weitere Menschen spendeten, sodass fast die kompletten Investitionskosten zusammengetragen werden konnten. „Diese enorme Wertschätzung hat uns alle mehr als überrascht“, sagt Peter Damm.

„Wir wollen der Region etwas zurückgeben.“

Auch Clifford Jordan freut sich darüber, dass das Crowdfunding so gut funktioniert hat. Der Vorstand der VR Bank Südpfalz ist heute hier, um sich die Lichtanlage anzuschauen. Zunächst aber steht er still am Rande des Saals und lauscht dem Spiel von Peter Damm. Erst nach einigen Minuten geht Jordan zur Bühne, steigt die Stufen hinauf und lässt sich vom Vorsitzenden des Vereins erklären, welche Bedeutung die Investition für das gesamte Haus hat. Umgekehrt wird Jordan auch noch einmal die Wichtigkeit des Kulturorts deutlich. „Das Haus am Westbahnhof ist ein Kleinod der Kulturszene hier in Landau. Es ist ganz wichtig für viele Künstler, aber natürlich auch für das Publikum“, sagt der Bankvorstand. „Hier wird ein großes Stück Kulturarbeit für die Stadt und die Region geleistet.“ Kulturförderung ist für ihn darüber hinaus essenziell. „Wir sind eine Genossenschaftsbank, die in der Region groß geworden ist. Und wir wollen der Region auch wieder etwas zurückgeben.“ Die Kultur zu unterstützen ist zudem ein guter Weg, das Ehrenamt zu fördern, weil Kulturarbeit nun einmal vor allem dadurch getragen wird.

1 Million Euro eingesammelt

Das Crowdfunding als Werkzeug passt, wie Jordan sagt, sehr gut in die gesamte Förder- und Sponsoring-Landschaft der Bank. Vor allem in der Corona-Krise ist das noch einmal besonders deutlich geworden. „Wir wollten vielen Vereinen helfen, deren Einnahmequellen versiegt waren. Sie haben einen großen Bedarf an Unterstützung.“ Stand Juli 2022 wurden auf der Plattform, die die Bank bereitstellt, fast 1 Million Euro eingesammelt, der Spendenanteil der Bank daran betrug rund 290.000 Euro. Mehr als 21.000 Menschen und Firmen unterstützten dabei 213 Projekte, neben dem Haus am Westbahnhof zum Beispiel die Sanierung von Sportanlagen, die Jugendarbeit in Vereinen, die Arbeit von Orchestern und Chören oder die Erschließung einer Wanderhütte mit Strom, Wasser und Abwasser.

Bei vielen Projekten stehen auch nachhaltige Zwecke im Mittelpunkt. Das gilt auch für die Lichtanlage im Kulturhaus, die ökologische Vorteile bietet. Waren die Scheinwerfer früher mit analogen Leuchtmitteln bestückt, die enorm viel Energie verbrauchten, sind sie nun mit LEDs ausgerüstet. Die neue Saalbeleuchtung etwa amortisiert sich wegen ihres geringen Stromverbrauchs schon nach zwei Jahren, bei der Bühnen­technik ist das nicht ganz so einfach zu sagen, weil sich ihre Funktionen zu stark von der alten unterscheiden. „So viel können wir sagen: Früher hatte ein Scheinwerfer auf der Traverse vor der Bühne 1.000 Watt, heute haben das acht Scheinwerfer“, erklärt Peter Damm, der auch die neuen Möglichkeiten der 20 Bühnenspots, Fluter und Flächenstrahler im Saal hervorhebt. „Sie sind alle RGB-fähig, das heißt, sie können alle Farben darstellen. Außerdem ist die Hitzewirkung viel geringer, es wird nicht mehr so heiß auf der Bühne“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Für Alizee Schorr ist das System ebenso wie die Filmtechnik, die durch das Förderprogramm „Neustart Kultur“ des Bundesverbandes Soziokultur beschafft werden konnte, ein Glücksgriff. „Wir haben hier so viele Möglichkeiten“, sagt die FSJlerin. Sie schiebt noch einmal den Regler hoch, mit dem sie das Licht auf der Bühne heller macht, dann bewegt sie den Finger auf dem Touchscreen des Farbkreises – und erzeugt so eine ganz besondere Atmosphäre auf den Brettern, auf denen Peter Damm gerade zum letzten Mal heute Saxofon spielt.