Nicht lang grübeln, einfach machen

Mit über 210.000 Euro unterstützt die VR Bank in Holstein gemeinsam mit der gemeinnützigen Initiative VR-DIGICATION mittlerweile 14 Schulen ihrer Region bei der Stärkung der MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Am Alstergymnasium in Henstedt-Ulzburg wurde dafür mit vereinten Kräften ein eigener Makerspace geschaffen. Dort gelingt es ganz leicht, die manchmal schwergewichtige Physiktheorie praktisch anzuwenden – und das mit überaus klangvollen Ergebnissen.

Nicht lang grübeln, einfach machen

Als Emily und Leif vor dem Computer sitzen, wirkt es für einen Moment wie ein ganz normaler Schultag: ein Bildschirm, eine Maus, ein paar Klicks. Doch dann landet das, was sie da gerade vorbereiten, nicht in einer Cloud und auch nicht in einem Klassenchat, sondern auf einem 3D-Drucker. „Wenn wir das so anlegen, sparen wir Stützmaterial“, sagt Leif und schiebt das Modell auf dem Monitor ein Stück zur Seite. Emily beugt sich vor, prüft die Kanten, die Aussparungen, die Halterungen. Es geht um Kopfhörer – genauer: um 24 Stück. Nicht gekauft, nicht bestellt, sondern: gedruckt.

Neben den beiden Schülern, die die Oberstufe des Alstergymnasiums in Henstedt-Ulzburg besuchen, surrt es leise. Die beiden 17-Jährigen hatten das flüssige Resin – ein fotosensibles Kunstharz, das mittels UV-Licht ausgehärtet wird – schon eingefüllt, nun läuft der 3D-Drucker los, der neben mehreren anderen auf Tischen an der Wand steht. Während des Drucks beschäftigen sich die beiden schon mit einigen fertigen Kopfhörerteilen. Sie rollen Spulen auf, löten Kabel an.

Viel Spaß im Space

Für die beiden und den Rest der Gruppe, die das Physikprofil an der Schule besuchen, macht das Arbeiten im Makerspace – so heißt der technisch gut ausgestattete Raum – enorm viel Spaß. „Wir lernen hier zum Beispiel an den Kopfhörern die Funktionsweise von Elektromagneten kennen und erlangen mehr Wissen über das Technische“, sagt Emily. Leif lässt den Blick kurz über die Drucker wandern. Auch für ihn ist der praktische Umgang mit Technik in der Schule ein Riesenvorteil. Er ist von Naturwissenschaften begeistert, familiär bedingt. „Wir konnten gar nicht anders“, erklärt er mit einem Grinsen und erzählt von seinem Vater, einem Kfz-Meister, und von der Technik, die zu Hause immer präsent ist.

Im Makerspace sind die beiden Jugendlichen gut aufgehoben. „Wir wechseln zwischen Frontalunterricht und Selbermachen“, erklärt Emily. „Dadurch kann ich alles besser verinnerlichen und habe auch viel mehr Spaß.“ Dieser Satz fällt hier oft. Es geht einfach darum, von der reinen Theorie wegzukommen und hin zu Projekten, die den Stoff für die Schüler greifbar machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von der Skizze zum fertigen Produkt

Dabei sind die Kopfhörer, die hier gerade entstehen, nicht nur eine nette Spielerei. Sie sind Teil eines größeren Konzepts. Den Kurs, den 16 Schülerinnen und Schüler besuchen, leitet Dmitrij Fomin. Der Physik- und Mathematiklehrer arbeitet seit vier Jahren an der Schule. „Die Jugendlichen profitieren enorm vom Makerspace, weil wir dank der Ausstattung ganz andere Möglichkeiten haben, Projekte umzusetzen“, sagt er. „Dadurch kommen wir auf Ideen, die wir von der Skizze bis zum fertigen Produkt umsetzen können. Das hilft enorm dabei, Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern.“

Das Prinzip „von der Skizze zum fertigen Produkt“ ist hier kein Slogan, sondern Methode. Das Physikprofil der Schule besteht nicht nur aus Unterricht im klassischen Sinne, sondern aus fünf Stunden in der Klasse und drei Stunden im Makerspace. „Das bedeutet, dass die Schüler das, was sie im normalen Unterricht in der Theorie gelernt haben, hier anwenden“, sagt Fomin. „Und was sie hier praktisch ausprobiert haben, können sie im Unterricht vertiefen.“

Die Kopfhörer sind eines dieser Projekte. Daneben entstehen andere: ein Spektrometer zum Beispiel, das etwa die Beugung von Licht an einem Gitter misst und in der Industrieausführung schnell 2.000 Euro kosten kann. Hier bauen die Schülerinnen und Schüler es mit einem Materialbudget von etwa 10 Euro selbst. Nicht nur, um ein Profi-Gerät zu ersetzen, sondern damit die Jugendlichen es in die Hand nehmen und ausprobieren können. „Sie müssen keine Angst haben, dass was kaputtgehen kann“, sagt Dmitrij Fomin. „Und die Phänomene lassen sich trotzdem erkennen.“ Ein weiteres Beispiel sind kleine Dinosaurier-Figuren, die im 3D-Drucker entstehen. Sie werden ebenfalls im Physikunterricht genutzt, als Volumenmodelle. „Wer das Volumen dann berechnen kann, versteht, wie Wissenschaftler Masse und Gewicht rekonstruieren, obwohl niemand je ein ausgestorbenes Tier auf eine Waage gestellt hat“, sagt der Lehrer.

Unterstützung für 14 Schulen

Den Makerspace hat die Schule nicht selbst finanziert und eingerichtet, für 3D-Drucker, Verbrauchsmaterialien, Werkzeuge und digitale Infrastruktur würden die eigenen Mittel kaum ausreichen. Unterstützt wird das Alstergymnasium von der VR Bank in Holstein. „Wir haben mittlerweile 14 Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten, um den Bereich der MINT-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – zu stärken“, sagt Uwe Augustin, der heute den Makerspace besucht. „Ich finde es toll, wie die Jugendlichen hier an Produkten und Lösungen arbeiten“, sagt der Vorstand der Bank. „Denn das brauchen wir am Standort Deutschland: Wir müssen das Know-how in den Naturwissenschaften fördern, Bildungschancen verbessern, gerade auch im ländlichen Raum. Daher ist das ein ganz tolles Projekt!“

Die Bank finanziert das Engagement aus den Reinerträgen des Gewinnsparens. VR-Bank-Kundinnen und -Kunden erwerben dabei Lose, ein Teil der Beiträge fließt in Sparanteile, ein Teil in eine Lotterie, ein weiterer Teil in den Reinertrag, aus dem die Banken dann regional Projekte fördern. Seit 2022, sagt Uwe Augustin, kamen so über 210.000 Euro solchen Bildungsprojekten zugute.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Wir wollen dort fördern, wo es Sinn ergibt.“

Die Bank greift dabei auf die langjährige Erfahrung der bundesweit tätigen, gemeinnützigen MINT-Initiative VR-DIGICATION zurück. Diese fördert, coacht und begleitet Schulen von der Grundschule bis zum Gymnasium – von der Ausstattung mit hochwertigem, passgenauem MINT-Equipment wie 3D-Druckern, Lernrobotern oder Sets zu erneuerbaren Energien bis hin zum Aufbau eines Makerspaces. Seit 2020 fördert VR-DIGICATION gemeinsam mit über 70 Volksbanken und Raiffeisenbanken in elf Bundesländern bereits mehr als 200 Schulen. „Uns hilft dieses Engagement sehr, weil wir zielgruppengenau beraten werden“, erklärt Uwe Augustin. „Gleichzeitig schauen wir uns jeden Förderantrag der Schulen sehr genau an, weil wir nur dort fördern wollen, wo es Sinn ergibt.“ Denn ein Makerspace braucht nicht nur Begeisterung, sondern auch WLAN, verlässliche Technik, Räume – und vor allem eine Person, die ihn dauerhaft betreut, damit das Engagement auch wirkt.

Am Alstergymnasium funktioniert das hervorragend. Der Raum wird genutzt – und es entstehen Produkte, die gebraucht werden. Daraus ist mittlerweile auch eine eigene Schülerfirma entstanden, die die Produkte verkauft. So können auch mehr Jugendliche teilnehmen, die sich zum Beispiel mit Kalkulationen, Werbung oder dem Verkauf beschäftigen. Die Richtung ist klar: Was hier entsteht, soll nicht im Schrank verschwinden, es soll genutzt werden. Die Schülerinnen und Schüler finden das gut – denn so können sie neben naturwissenschaftlichen auch wirtschaftliche Kenntnisse aufbauen.